Filmreihe bis 10. August
Über zwei Monate hinweg zeigen wir in Originalfassungen 14 von 50 Filmen
des schwedischen Regisseurs und Autors, der am 30. Juli 2007 im Alter von 89 Jahren gestorben
ist. Die chronologisch aufgebaute Werkschau zeigt im August SCHREIE UND FLÜSTERN
(1972), SZENEN EINER EHE (1973), FÅRÖ-DOKUMENT (1979) und FANNY UND ALEXANDER (1982).
Bergman, 1918 als Sohn eines protestantischen Pfarrers geboren, wuchs in einem
strengen Elternhaus auf. Schon früh widmete er sich der Theaterarbeit,
die während seiner gesamten Laufbahn gleichwertig neben seinen Filmen
steht. Sie ist von der Auseinandersetzung mit den nordischen Klassikern, insbesondere
Strindberg, beeinflusst.
Die frühen Werke der 1940er Jahre sind von Generationskonflikten und Pubertätskrisen
geprägt. Als weitere Themen kommen im nächsten Jahrzehnt die Rolle
des Künstlers in der Gesellschaft hinzu sowie als zentrales Thema die
Frage nach dem Sinn des Lebens in der modernen Welt und die Abwesenheit des
Glaubens. Ein besonderes Gespür entwickelte Bergman für die Inszenierung
von Frauengestalten.
Die Kinotermine im Überblick
Fr 6.7. 20.30 Uhr
KRIS Krise
SE 1946, R: Ingmar Bergman
Da: Inga Landgré Stig Olin, 93 min OmeU
In dem Regiedebüt KRIS (Krise, 1946) lassen sich die Einflüsse erkennen,
die Bergmans späteres Werk prägen sollten. Die junge Nelly lebt in
einem Dorf bei ihrer Stiefmutter, während ihre wahre Mutter Jenny in Stockholm
einen Schönheitssalon führt. Beide Frauen bemühen sich um das
18-jährige Mädchen. Ebenso wird sie von zwei Männern umworben,
dem biederen Uffe und dem zwielichtigen Jack.
Sa 7.7. 18.00 Uhr
FÄNGELSE Gefängnis
SE 1949, R: Ingmar Bergman
Da: Birger Malmsten, Doris Svedlund, 80 min OmeU
FÄNGELSE (Gefängnis, 1949) realisierte Bergman erstmalig als unabhängiger
Autor und Regisseur. Die Möglichkeit der Darstellung des Bösen liefert
den Rahmen für die Handlung, in der ein Journalist die Lebensgeschichte
des Straßenmädchens Birgitta erzählen möchte. Doch dann
wird er selbst in das Umfeld hineingezogen.
Mi 11.7. 20.30 Uhr
KVINNORS VÄNTAN Sehnsucht der Frauen
SE 1952, R: Ingmar Bergman, Da: Anita Björk, Eva Dahlbeck, 107 min OmeU
In KVINNORS VÄNTAN (Sehnsucht der Frauen, 1952) schildern vier Schwägerinnen,
die auf ihre Männer warten, Situationen aus ihrem Leben. Diese sehr verschiedenen
Episoden werden in Rückblenden mit unterschiedlichen stilistischen Mitteln
inszeniert.
Fr 13.7. 18.00 Uhr
SOMMARNATTENS LEENDE Das Lächeln einer Sommernacht
SE 1955, R: Ingmar Bergman, Da: Ulla Jacobsson, Gunnar Björnstrand, 108
min OmeU
Mit SOMMARNATTENS LEENDE (Das Lächeln einer Sommernacht, 1955) schaffte
Bergman den internationalen Durchbruch. Die Komödie, inspiriert von der
Operette Die lustige Witwe und von Shakespeare, spielt um die Jahrhundertwende
und mischt vier Paare durcheinander. Im Mittelpunkt steht der verwitwete Advokat
Egerman, seine zweite blutjunge Frau, sein Sohn, seine ehemalige Geliebte und
deren derzeitiger Liebhaber. Auf dem Landsitz einer alten Dame finden die Verhältnisse
eine neue Ordnung.
So 15.7. 20.30 Uhr
DET SJUNDE INSEGLET Das siebente Siegel
SE 1957, R: Ingmar Bergman, Da: Gunnar Björnstrand, Max von Sydow, 96
min OmeU
DET SJUNDE INSEGLET (Das siebente Siegel, 1957), ein mittelalterliches Drama über
Glaube und Zweifel, hat den Tod als Hauptfigur. Der Ritter Antonius Block, der
als Kreuzfahrer viele Jahre herumgereist ist, spielt Schach mit dem Tod und
kann durch sein Opfer eine Gauklerfamilie retten.
Do 19.7. 20.30 Uhr
SMULTRONSTÄLLET Wilde Erdbeeren
SE 1957, R: Ingmar Bergman, Da: Victor Sjöström, Bibi Andersson,
90 min OmU
SMULTRONSTÄLLET (Wilde Erdbeeren, 1957) erzählt von einem Arzt, der
mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Der alte Isak fährt mit seiner
Schwiegertochter nach Stockholm, um eine Ehrung entgegenzunehmen. Auf der Fahrt
nehmen sie drei junge Leute mit, die nach Italien wollen. Die Reise wird in
Träumen, Visionen und Erinnerungen zu Stationen einer Lebensbilanz.
So 22.7. 20.30 Uhr
JUNGFRUKÄLLAN Die Jungfrauenquelle
SE 1960, R: Ingmar Bergman, Da: Max von Sydow, Birgitta Valberg, 88 min OmeU
JUNGFRUKÄLLAN (Jungfrauenquelle, 1960) entstand nach einem schwedischen
Volkslied und spielt in der früh-christlichen Neuzeit. Die jungfräuliche
Karin und ihre schwangere Schwester reiten zu einer Kirche. Auf dem Weg wird
Karin von Hirten vergewaltigt und getötet, doch ihr Vater nimmt Rache,
die er später bereut.
Mi 25.7. 18.00 Uhr
TYSTNADEN Das Schweigen
SE1963, R: Ingmar Bergman, Da: Ingrid Thulin, Gunnel Lindblom, 95 min OmeU
TYSTNADEN (Das Schweigen, 1963) löste bei seinem Erscheinen eine Zensurdebatte
wegen seiner für damalige Verhältnisse ungewöhnlich freizügigen
Darstellung von Sexualität aus. Zwei Schwestern, die jüngere sinnliche
Anna und die ältere intellektuelle Ester, sowie Annas Sohn beziehen ein
Hotel in einer unbekannten Stadt, in der eine unverständliche Sprache
gesprochen wird. Das Verhältnis der beiden ist durch zunehmende Entfremdung
gekennzeichnet. Während der todkranken Ester die Kontrolle über ihre
jüngere Schwester zu entgleiten droht, flüchtet Anna sich in erotische
Beziehungen. Der Film gehört durch seine stilistische Geschlossenheit
und Strenge zu den radikalsten Werken des Regisseurs.
Fr 27.7. 20.30 Uhr
PERSONA
SE 1966, R: Ingmar Bergman
Da: Bibi Andersson, Liv Ullmann, 83 min OmeU
PERSONA (1966) ist eine Studie über das Verhältnis zweier Frauen.
Eine Krankenschwester soll die Pflege einer psychisch gestörten und verstummten
Schauspielerin übernehmen. Während die Krankenschwester pausenlos
aus ihrem Leben berichtet, wird sie von der Schauspielerin buchstäblich
ausgesogen. Die beiden Frauen geraten zunehmend in eine symbiotische Abhängigkeit,
werden zu spiegelbildlichen Varianten eines Bewusstseins, zu zwei Seiten einer
Persönlichkeit.
Sa 28.7. 18.00 Uhr
VARGSTIMMEN Die Stunde des Wolfs
SE 1968, R: Ingmar Bergman, Da: Liv Ullmann, May von Sydow, 89 min OmeU
VARGSTIMMEN (Die Stunde des Wolfes, 1968) spielt mit Elementen des Horrors
und alptraumartigen Collagen. Erzählt wird die Geschichte eines Künstlerehepaares,
das von Todesfurcht, Aberglauben und Wahnsinn heimgesucht wird.
Die Filme im August
Do 2.8. 20.30 Uhr
VISKNINGAR OCH ROP Schreie
und Flüstern
Schweden 1972, R: Ingmar Bergman,
Da: Harriet Andersson, Kari Sylwan, 91 min OmeU
Mit VISKNINGAR OCH ROP (Schreie und Flüstern, 1972) gelang Bergman ein
großes Comeback. Drei Schwestern und eine Bedienstete werden auf einem
Landsitz zusammengeführt. Dort liegt die krebskranke Agnes im Sterben
und wird von Anna gepflegt, während Karin und Maria, mit ihren Ehemännern
angereist, in eigene Probleme verstrickt sind. Bergman kontrastiert die Figuren,
deren Geschichten er in Rückblenden erzählt. Zwischen ihnen findet
keine Kommunikation statt. Die Farbe Rot dominiert die Innenszenen, die metaphorisch
für das Seelenleben der Schwestern steht, die in der puritanischen Gesellschaft
gefangen sind.
So 5.8. 18.00 Uhr und 21.00 Uhr
SCENER UR ETT ÄKTENSKAP Szenen
einer Ehe
Schweden 1973, R: Ingmar Bergman,
D: Liv Ullmann, Erland Josephson, 281 min insg. OmeU
18 Uhr: Teile 1-3
21 Uhr: Teile 4-6
Bergman verfolgt in SCENER UR ETT ÄKTENSKAP (Szenen einer Ehe, 1974) über
einen längeren Zeitraum hinweg die Beziehung des verheirateten Paares
Marianne und Johan. Sie scheinen zunächst, wie in einer Frauenzeitschrift
dargestellt, eine harmonische Modellehe zu führen. Allmählich werden
jedoch Untiefen und Widersprüche offenbar. Wegen einer Affäre kommt
es zum traumatischen Zerfall, und erst Jahre nach der Scheidung scheint eine
Annäherung wieder möglich. Gezeigt werden die sechs je 50-minütigen
Folgen der Fernsehfassung. „Ich habe drei Monate gebraucht, um dieses
Buch zu schreiben, aber es hat mich lange Zeit meines Lebens gekostet, es zu
erfahren“, so Ingmar Bergman.
Do 9.8. 20.30 Uhr
FÅRÖDOKUMENT 1979 Fårö-Dokument
1979
Schweden 1979, R: Ingmar Bergman, Dokumentarfilm, 103 min OmÜ
In FARÖDOKUMENT 1979 (Farö-Dokument, 1979) setzt Bergman seiner Wahlheimat
ein Denkmal. Im Sommer 1960 besuchte er zum ersten Mal die kleine Insel, deren
raue Landschaft ihn faszinierte und die er immer wieder zum Drehort machte.
Bereits 1969 drehte er dort einen Dokumentarfilm über die Insel
und ihre Bewohner, auf den er in seinem zweiten Teil 1979 in Ausschnitten zurückgreift.
So sachlich das Werk ist, enthält es trotzdem eine Spiegelung der Bergmanschen
Welt.
Fr 10.8. 20.30 Uhr
FANNY OCH ALEXANDER Fanny
und Alexander
Schweden 1982, R: Ingmar Bergman Da: Bertil Guve, Ewa Fröling, 188 min
OmU
Das preisgekrönte Epos FANNY OCH ALEXANDER (Fanny und Alexander, 1982)
erzählt von dem skandinavischen Bürgertum. Die autobiografischen
Bezüge und die Annahme, dass die Kindheitsgeschichte Bergmans wiedergegeben
werde, weist der Regisseur jedoch als nicht ganz richtig zurück. „Fanny
und Alexander ist eine Geschichte, die Chronik einer Familie der Mittelklasse,
vielleicht der oberen Mittelklasse, in einer mittelgroßen Stadt um 1910,
wo man eng zusammenhält. Der Film ist ein großer Gobelin mit einer
Menge Menschen, Farben, Häusern, Wäldern, geheimnisvollen Verstecken
und nächtlichen Himmeln – alles vielleicht ein wenig romantisch,
aber nur so viel, dass man es noch aushalten kann“, so beschrieb Ingmar
Bergman sein Werk.
Für die Unterstützung danken wir:
Svenska Filminstitutet (Johan Ericsson),
Svenska Institutet (Lars Hedenstedt),
Svensk Filmindustri (Lotta Edoff) und
Österreichisches Filmmuseum