Deutsches Filmmuseum in der Trägerschaft des Deutschen Filminstituts – DIF e.V.
70 MM – BIGGER THAN LIFE
Filme aus der Berlinale-Retrospektive vom 13. bis 18. März

2001

Die Reihe präsentiert als einzige weitere Station in Deutschland Leinwandepen, Abenteuer- und Science-Fiction-Filme sowie Musicals aus der Berlinale-Restropektive. Kinoliebhaber sollten sich die seltene Chance nicht entgehen lassen, die ausgewählten Filme im Breitfilm-Format in voller visueller Brillanz zu erleben.

Obwohl seit den Zeiten der Filmpioniere wie Thomas Alva Edison die Breite von 35 Millimetern der Standard für Kinoauswertung ist, wurde bereits in der Frühzeit des Films mit größeren Formaten experimentiert. Das erste 70-mm-Filmmaterial wurde in den 1920er Jahren in den USA entwickelt, und die Versuche mit diesem Format fanden einen ersten Höhepunkt um 1930. Aber aufgrund der Weltwirtschaftskrise und der Belastung der Kinos durch die Umstellung auf den Tonfilm konnte sich das Format nicht durchsetzen. Erst in den 1950er Jahren, angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch das Fernsehen, wurden die Versuche mit 70 mm und Mehrkanalstereoton reaktiviert, um den Zuschauern neue sinnliche Reize zu bieten. Das erste kommerziell erfolgreiche Verfahren Todd-AO hatte die American Optical Co. im Auftrag des Produzenten Michael Todd entwickelt, der kurz zuvor bereits zu den Initiatoren von Cinerama (bei welchem drei Filmstreifen synchron nebeneinander liefen) gehört hatte. Als erster nach dem neuen Verfahrenen entstandener Spielfilm kam das Musical Oklahoma! (1955) in die Kinos.

Cleopatra

Gedreht wurde auf 65 Millimeter breitem Filmmaterial mit einer Bildhöhe von fünf Perforationslöchern – im Unterschied zu den vier des 35-mm-Films. Die Vorführkopien wurden auf 70-mm-Film hergestellt, wobei man die zusätzlichen 5 mm auf dem Steifen für Magnettonspuren nutzte. Das 70-mm-Format bietet ein etwa drei Mal so großes Bild wie das 35-mm-Format und kann bis zu sechs Tonspuren aufnehmen. Bei der Projektion muss das Filmbild weniger stark vergrößert werden und wirkt entsprechend schärfer und brillanter.

Bis Anfang der 1970er Jahre war 70 mm das Format für aufwendige Großproduktionen. Danach kamen noch einige herkömmliche 35-mm-Filme als Blowups auf 70mm ins Kino, deren Bildqualität sich nicht mit originalen 70-mm-Filmen messen kann – teilweise nicht einmal mit den 35-mm-Fassungen. Einer der letzten echten 70-mm-Spielfilme war Kenneth Branaghs Hamlet (1996).

Ben-Hur

Die meisten Erstaufführungskopien vom Kameranegativ sind im Laufe der Zeit farblich ausgebleicht, verlorengegangen oder zerstört worden. Einige Filme wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten aufwendig restauriert, nun mit dts- statt Magnetton versehen. Diese Restaurierungen und Umkopierungen sind durchaus in unterschiedlichem Maße gelungen; in jedem Fall sind aber kleine Abstriche gegenüber der ursprünglichen Brillanz der Schärfe und Farben zu machen.

70 mm heute
Durch die Berlinale-Retrospektive können nun seltene Kopien aus dem Ausland in Deutschland gezeigt werden, die einzelne Kinos wegen der enormen Transport- und Versicherungskosten nicht alleine importieren könnten. Daher nutzen wir die Gelegenheit, diese Kopien vorzuführen – auch wenn unser Kinosaal nicht den Kinopalästen entspricht, für die sie geschaffen wurden. Die kleinere Leinwand bietet aber einen beindruckenden Gewinn an Schärfe und visueller Brillanz. Viele 70-mm-Filme enthalten alleine wegen ihrer aus dem Rahmen fallenden Längen Ouvertüren und Pausen. Solche Ouvertüren wurden von den Filmemachern und den Komponisten zur Einstimmung auf den Film geplant und sind also integraler Teil desselben. Wir bitten, diese Musik auch entsprechend zu goutieren: Sie läuft bei geschlossenem Vorhang und gedämpftem Saallicht. Alle Kinoliebhaber, denen es noch nicht egal ist, ob sie einen Film aus dem Netz heruntergeladen auf ihrem Rechner zu Hause oder so, wie er gedacht war, im Kino sehen, sollten sich diese seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen. Unser besonderer Dank gilt Connie Betz von der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Berlin.

Wir bedanken uns bei allen Leihgebern und Rechteinhabern: Herbert Born, Hannelore Bollmann-Cantor, Olivier Brunet, Jean-Pierre Gutzeit, Hans Hänßler, Veit Helmer, Academy Film Archive (May Haduong), Bundesarchiv-Filmarchiv (Marlo Boelens, Karin Kühn, Frau Okrug, Herr Haupt), Chapel Distribution (Mark Spratt), Les Films de Mon Oncle (Philippe Gigot), Hollywood Classics (Geraldine Higgins), KurzFilm Agentur Hamburg, Neue Visionen Filmverleih, NFI – Norsk filminstitutt (Jan Eberholst Olsen), SFI – Svenska Filminstitutet (Jon Wengström), Twentieth Century Fox (Schawn Belston, Kevin Barrett), Warner Bros. (Günter Backes).

Unser ganz besonderer Dank gilt der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen (Connie Betz, Rainer Rother).

Kinotermine

Fr 13.3. 18.00 Uhr
Kurzfilmprogramm:
THE MIRACLE OF TODD-AO USA 1956, R: Juan C. Hutchison 11 min OF
Print courtesy of the Academy Film Archive
SHELLARAMA GB 1965, R: Richard Cawston, 14 min OF
SKY OVER HOLLAND NL 1967, R: John Ferno, 22 min OF
ÅRET GJENNOM BØRFJORD A Year Along the Abandoned Road Norwegen 1991, R: Morten Sakallerud, 12 min
TOUR EIFFEL D 1993, R: Veit Helmer, 10 min
LE MARIAGE DE FANNY F 1999, R: Olivier Brunet, 18 min OF

ÅRET GJENNOM BØRFJORD A Year Along the Abandoned Road

Das Kurzfilmprogramm gibt einen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten des 70-mm-Formats. THE MIRACLE OF TODD-AO (1956) demonstriert die technischen Qualitäten des Todd-AO-Verfahrens mittels Aufnahmen einer Achterbahnfahrt, von Flug- und Skiaufnahmen und einer Verfolgungsjagd in San Francisco. Die Kopie ist dem Academy Film Archive, Los Angeles zu verdanken. SHELLARAMA (Super Technirama, 1965), ein im Auftrag der Shell Co. entstandener Industriefilm, zeichnet den Weg des Petroleums nach von der ersten Bohrung in den Sümpfen Nigerias über seinen Transport per Pipeline und Tanker bis zum Verbrauch. In SKY OVER HOLLAND (MCS 70, 1967) führt John Ferno die Niederlande aus der Luft vor. ÅRET GJENNOM BØRFJORD (Super Panavision 70, 1991) zeigt in einer einzigen Fahrtaufnahme im Norden in 50.000-facher Geschwindigkeit das Vergehen des arktischen Jahres. Veit Helmers TOUR EIFFEL (Arri 765, 1994) ist ein Kurzspielfilm, in dem ein Mann vom Eiffelturm aus mit ansehen muss, wie sein neues Kabrio gestohlen wird. LE MARIAGE DE FANNY (MCS 70, 1999) setzt die Erinnerungen einer Frau in einen experimentellen filmischen Diskurs um und mixt dabei 70-mm mit aufgeblasenen Aufnahmen.

Weitere Infos zu >>> SKY OVER HOLLAND <<<
Weitere Infos zu >>> ÅRET GJENNOM BØRFJORD A Year Along the Abandoned Road <<<
Weitere Infos zu >>> FANNY'S WEDDING <<<
Weitere Infos zu >>> THE MIRACLE OF TODD-AO <<<

Fr 13.3. 20.00 Uhr
LAWRENCE OF ARABIA
Großbritannien 1962, R: David Lean, Da: Peter O’Toole, Alec Guinness, Anthony Quinn, Jack Hawkins, Omar Sharif, 216 min (mit Pause) OF. Restaurierte Fassung von 1989

LAWRENCE OF ARABIA

Kein 70-mm-Film konnte jemals mit grandioseren Landschaftsaufnahmen aufwarten als LAWRENCE OF ARABIA (1962, Super Panavision 70): Wer eine der Erstaufführungskopien der 1960er Jahre gesehen hat, weiß, dass beinahe jedes Sandkorn in der Wüste gestochen scharf erschien Die restaurierte Fassung von 1988, an der Regisseur David Lean selbst mitgearbeitet hat, kann damit nicht mehr hundertprozentig aufwarten. Dennoch ist der Film, welcher den Einsatz des Abenteurers T. E. Lawrence in der arabischen Wüste schildert – dieser sollte für die Briten während des ersten Weltkriegs den Aufstand der Araber gegen die Osmanen organisieren –, immer noch eines der visuell beeindruckendsten Werke der Filmgeschichte. Mehr...

Text von Jean-Pierre Gutzeit zu LAWRENCE OF ARABIA (PDF, 14 KB)

Sa 14.3. 17.30 Uhr
WEST SIDE STORY
USA 1960/61, R: Robert Wise, Jerome Robbins, Da: Natalie Wood, Richard Beymer, Russ Tamblyn, 153 min OF

WEST SIDE STORY mit der Musik von Leonard Bernstein war Ende der 1950er Jahre eines der erfolgreichsten Musicals am Broadway. Für seine Kinoadaption von 1961 (Super Panavision 70) versicherte sich Robert Wise der Mitarbeit des Choreographen Jerome Robbins, welchem einige der beeindruckendsten Tanzszenen der Filmgeschichte zu verdanken sind, etwa „Jet Song“, „America“ oder „Cool“. West Side Story ist eine moderne Romeo-und-Julia-Variation, angesiedelt im Milieu der Jugendbanden der West Side von Manhattan, und gewann zehn Oscars.

Sa 14.3. 20.30 Uhr
2001: A SPACE ODYSSEY
Großbritannien 1968, R: Stanley Kubrick, Da: Keir Dullea, Gary Lockwood, William Sylvester, 141 min (mit Pause) OF

2001: A SPACE ODYSSEY

Das andere überwältigende Meisterwerk des 70-mm-Films ist ohne Frage Stanley Kubricks Weltraumoper 2001: A SPACE ODYSSEY (1968, Super Panavision 70). Es handelt von einem rätselhaften Monolithen und eine Expedition zum Jupiter, deren Erfolg vom eigenwilligen Bordcomputer HAL sabotiert wird. Nie zuvor im Science-Fiction-Genre gab es derart glaubwürdige Aktionen im Weltraum zu sehen. Gleichzeitig technische Utopie, kulturphilosophische Spekulation und psychedelischer Trip, beeinflusste 2001 mit seiner revolutionären Tricktechnik nachhaltig die weitere Entwicklung des Science-Fiction. Mehr...

Text von Jean-Pierre Gutzeit zu 2001: A SPACE ODYSSEY (PDF, 25 KB)

So 15.3. 12.00 Uhr | Matinee
BEN-HUR
USA 1959, R: William Wyler, Da: Charlton Heston, Jack Hawkins, Stephen Boyd, Haya Harareet, 215 min (mit Pause) OF

BEN-HUR

Als eine der kommerziell erfolgreichsten Produktionen aller Zeiten gilt BEN-HUR (1959, MGM Camera 65) von William Wyler; das von Andrew Marton und Yakima Canutt spektakulär inszenierte Wagenrennen schrieb Filmgeschichte. Charlton Heston spielt in dem monumentalen Historienfilm den jüdischen Prinzen Judah Ben-Hur, der zum Galeerensklaven abstürzt, sein Schicksal wendet und schließlich zum Anhänger Christi konvertiert. Gedreht wurde in Italien, die grandiose Musik stammt von Miklos Rozsa.

Text von Jean-Pierre Gutzeit zu BEN-HUR (PDF, 18 KB)

So 15.3. 17.30 Uhr
FLYING CLIPPER. TRAUMREISE UNTER WEISSEN SEGELN
BRD 1962, R: Hermann Leitner, Rudolf Nußgruber
Dokumentarfilm, 154 min (mit Pause) OF, Neue Kopie

FLYING CLIPPER. TRAUMREISE UNTER WEISSEN SEGELN

FLYING CLIPPER. TRAUMREISE UNTER WEISSEN SEGELN (1962, MCS-70) von Hermann Leitner und Rudolf Nußgruber war der erste lange deutsche 70-mm-Film. Zu einer Zeit, als eine Urlaubsreise ins Ausland noch kein Massenphänomen war, zeigte er die Fahrt eines schwedischen Segelschiffes mit internationaler Besatzung durchs Mittelmeer mit wunderschönen Aufnahmen von den Stationen der Reise. Mehr...

Weitere Infos zum Film: Traumreisen auf breitem Filmband: Das M.C.S.-70-Verfahren

So 15.3. 20.30 Uhr
CHEYENNE AUTUMN
USA 1964, R: John Ford, Da: Richard Widmark, Carroll Baker, Karl Malden, Dolores Del Rio, 154 min (mit Pause) OF

CHEYENNE AUTUMN

John Fords letzter Western CHEYENNE AUTUMN (1964, Super Panavision 70) behandelt den Zug der Cheyenne-Indianer 1878 von ihrer unfruchtbaren Reservation in Oklahoma über 1800 Meilen in ihre Heimat Dakota, verfolgt von der Kavallerie. Hunger und Krankheiten hatten ihre Zahl von über 1000 auf 286 reduziert, und auf ihrer Flucht müssen sie weitere Opfer bringen. Das tragische Schicksal des Stammes wird durch grandiose Panorama-Einstellungen heroisiert und in eine mythische Vergangenheit gerückt; als Kontrast gibt es zwischendurch eine komische Einlage in Dodge City. Ein sehr persönliches Werk von einem der Meister des amerikanischen Kinos.

Mo 16.3. 19.00 Uhr | Mi 18.3. 19.00 Uhr
CLEOPATRA
USA 1963, R: J.L. Mankiewicz, Da: E. Taylor, R. Burton, Rex Harrison, 248 min (mit Pause) OF. Restaurierte Fassung von 2006

CLEOPATRA

Als CLEOPATRA (Todd-AO) 1963 herauskam, konnte er auf eine lange und komplizierte Produktionsgeschichte zurückblicken. In der Planung seit 1958, begannen die Dreharbeiten 1960 unter der Regie von Rouben Mamoulian. Es gab kein fertiges Drehbuch und die Kosten explodierten. Joseph L. Mankiewicz rettete schließlich als Autor und Regisseur das Projekt und ihm gelang es, mit intelligenten, teilweise an Shaw orientierten Dialogen den Figuren Leben einzuhauchen – insbesondere Cäsar, aber auch der ägyptischen Königin, die nacheinander zwei der mächtigsten Männer des römischen Weltreichs bezauberte. Cleopatra war seinerzeit einer der teuersten, längsten und spektakulärsten Filme der Filmgeschichte. Mehr...

Di 17.3. 18.00 Uhr
BARAKA
USA 1992, R: Ron Fricke, Dokumentarfilm, 96 min OF

BARAKA

„Baraka“ ist in der Sprache der Sufis der Atem des Lebens, und BARAKA (Todd-AO, 1992) heißt auch der Film von Ron Fricke, einem der Mitarbeiter von Koyaanisqatsi. Dessen Konzept, eine Aussage über das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt mit rein visuellen und klanglichen Mitteln zu treffen, wird weiterentwickelt: Fricke hat in 24 Ländern der Erde gedreht und seine atemberaubenden Bilder ohne sprachlichen Kommentar zu einem großen epischen Poem über die Entwicklung unseres Planeten und des Menschen montiert.

Weitere Infos zum Film: Spirit of Baraka
Website "BARAKA"

Di 17.3. 20.30 Uhr
PLAY TIME
F 1967, R: J. Tati, Da: J. Tati, B. Dennek, J. Lecomte, 126 min OF. Restaurierte Fassung von 2002

PLAY TIME

Nicht der erhoffte Erfolg war bei seinem Erscheinen auch PLAY TIME (1967, 70 mm Widescreen), sodass der Regisseur Jacques Tati den Film nach der Premiere um eine knappe halbe Stunde kürzte. Tatsächlich – und auch längst anerkannt – handelt es sich um Tatis besten Film, sein Meisterwerk. Nie zuvor und nie mehr danach hat er eine Komödie in allen ihren Einzelheiten so präzise ausgetüftelt. Die Handlung ist minimal und zeigt Monsieur Hulot, konfrontiert mit einer Gruppe amerikanischer Touristen, in einem modernen Paris aus Glas und Stahl. Play Time wird als einer der wenigen wirklich durch und durch perfekten Filme der Filmgeschichte bezeichnet. Mehr...

Text von Jean-Pierre Gutzeit zu PLAY TIME (PDF, 24 KB)

 

Links und Materialien:

 

Es gelten besondere Eintrittspreise:
11 Euro / 9 Euro ermässigt / 8 Euro mit Kinocard

Das LICHTSPIEL – Café im Filmmuseum bietet in den Pausen Getränke und Snacks an

 

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