Filmreihe vom 1. bis 15. Juni mit Gästen & Diskussion
Vom Stummfilm NAMUS (1925) über Werke aus der Sowjet-Zeit wie NAMPET (1977)
und SAYAT NOVA (1969) bis zur aktuellen Produktion STONE; TIME; TOUCH (2007)
- mit Regisseur und Hauptdarstellerin als Gästen und anschließender
Diskussion - blickt die Reihe auf über 80 Jahre armenischer Filmkunst. Der
thematische Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit dem Genozid.
Alle Filme und Termine im Überblick
Fr 1.6. 18.00 Uhr
GERMANY AND THE SECRET GENOCIDE
Deutschland und der geheime Genozid
USA 2003, R: J. Michael Hagopian, 60 min
APRIL
UdSSR/Armenien 1985, R: Vigen Chaldranyan
Da: Karen Janibekyan, A. Ghukasyan, 30 min OmÜ
Gast: Michael Hagopian (angefragt)
Erstmals geht ein Film den engen Beziehungen zwischen dem Osmanischen und dem
Deutschen Kaiserreich nach und weist die wenig bekannte deutsche Verwicklung
in den Genozid mit einzigartigen Archivaufnahmen und neuen historischen Erkenntnissen
nach. So wurden beispielsweise einige der damaligen 12 000 deutschen Soldaten
im Osmanischen Heer später ranghohe Nationalsozialisten, etwa Rudolf Höß,
der Kommandant von Auschwitz.
Fr 1.6. 20.30 Uhr
STONE, TIME, TOUCH
Kanada/Armenien 2007
R: Gariné Torossian, Da: Arsinée Khanjian, Kamee Abrahamian,
72 min OmeU
Gäste: Gariné Torossian und Arsinée
Khanjian
In Gariné Torossians Film ermöglicht der persönliche Blick
das Erleben eines sehr speziellen Wirklichkeits-ausschnittes. Zwei Frauen reisen
nach Armenien. Die eine betritt das Land zum ersten Mal, die andere kennt es
ein wenig, da sie mit ihrem Mann Atom Egoyan schon einmal einen Film dort gedreht
hat (CALENDAR) und setzt während dieser neuen Begegnung die Realität
sehr bewusst zu ihrem inneren Bild von Armenien in Beziehung.
Im Anschl. an die vorhergehende Diskussion
MENK Wir
UdSSR/Armenien 1969
R: Artavazd Peleshyan, 27 min o.D
Ein monumentaler, kaleidoskopartiger Montagefilm über die Identität
und das Schicksal des armenischen Volkes - das den Genozid mit einschliesst
- von Artavazd Peleshyan, dem Dichter des dokumentarischen Kinos und dem bekanntesten
Dokumentarfilmregisseur Armeniens.
Sa 9.6. 18.00 Uhr
NAHAPET
UdSSR/Armenien 1977, R: Henrik Malyan
Da: Sos Sargsyan, Sofik Sargsyan, Mher
92 min OmÜ
Malyans Film ist einer der wichtigsten armenischen Filme, die dem Gedächtnis
des Genozids gewidmet sind. Er stellt den schweren Neubeginn des Bauern Nahapet
im sowjetischen Armenien dar, der den Genozid überlebte, aber nicht loskommt
von den Bildern seiner traumatischen Erinnerungen: den osmanischen Erschießungskommandos,
der Ermordung seiner Frau und der Kinder, den langen Trecks der Flüchtlinge.
In ergreifenden poetischen Bildern und Metaphern erzählt er vom Schmerz
der Überlebenden und vom Überlebenswillen.
So 10.6. 18.00 Uhr
NAMUS Die Ehre
UdSSR/Armenien,1925, R: Hamo Bek-Nazarov
Da: H. Abelyan, Hasmik, O. Maysuryan, 84 min OmÜ
Klavierbegleitung: Ulrich Rügner
Das Sujet für den ersten armenischen Spielfilm entlehnt der Vater des
armenischen Kinos, Hamo Bek-Nazarov, der gleichnamigen Novelle des Schriftstellers
Aleksander Shirvanzade. Der Film zeichnet das Sittengemälde einer patriarchalischen
Gesellschaft und das Schicksal einer jungen Frau, das von den Werten und Traditionen
männlicher Herrschaft bestimmt wird, wobei dem Regisseur in zeitgenössischen
Kritiken vorgeworfen wurde, dass er die alten Sitten nicht deutlich genug gebrandmarkt
habe. 1925 hat der Film Premiere und wird in 10 Kopien quer durch die Sowjetunion
gezeigt. Im April 1926 feiert er unter begeistertem Jubel der Öffentlichkeit
im ersten Kino Armeniens Premiere.
Fr 15.6. 18.00 Uhr
SAYAT NOVA Die Farbe des Granatapfels
UdSSR/Armenien 1969, R: Sergej Paradjanov
Da: Sofiko Tchiaureli, M. Alekyan, V. Galstyan
79 min OmU
Geschätzt von Kollegen wie Fellini und Antonioni war es dem großen
Regietalent Sergej Paradjanov aus politischen Gründen leider nur vergönnt,
einige wenige Filme zu drehen. In DIE FARBE DES GRANATAPFELS, einem seiner
Meisterwerke entwickelt er eine vollkommen neuartige, freie, rein poetische
filmische Sprache. Er läßt das Leben des im 18 Jh. wirkenden armenischen
Dichters Aruthin Sayadin - Sayat Nova - vor uns erstehen, ohne eine Geschichte
im vertrauten Sinne zu erzählen. Vielmehr veranschaulicht er seine bildlichen
Vorstellungen von existentiellen Grundwahrheiten des Lebens in tableauartigen
Kompositionen und ritualisierter Gestensprache.
HAKOB HOVNATANYAN
UdSSR/Armenien 1967
R: Sergej Paradjanov, 8 min o.D.
Nachdem Paradjanov mit seinem Film "Schatten vergessener Ahnen" zwar
weltberühmt wurde, aber in der Sowjetunion ideologische Schwierigkeiten
bekam, stellte das Angebot aus Jerevan, einen Kurzfilm zu realisieren eine
erste Möglichkeit für eine filmische Arbeit nach Jahren der Untätigkeit
dar. Auf knappstem filmischem Raum gelingt Paradjanov ein in seiner Verdichtung
und Schönheit einzigartiges filmisches Porträt des Malers, der von
1806 - 1881 lebte.
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Stanley Kubrick
